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Magengeschwür beim Pferd

Wenn der Magen streikt

Das Pferd ist von Natur aus ein grasender, nicht wiederkäuender Pflanzenfresser, angepasst an karges Raufutter mit hohem Fasergehalt und wenig Stärke. 

Magengeschwüre beim Pferd sind weit verbreitet, aber oft unerkannt. Verantwortlich ist ein erhöhter Säureangriff, der im Extremfall zum Magendurchbruch führen kann.

Hier gibt es die Magenschleimhautentzündung (Gastritis) bis hin zu Magengeschwüren (Ulzera). In vielen Fällen stellt das Magengeschwür ein Folgeproblem anderer Erkrankungen dar. Daraus können Geschwüre entstehen.

Ein Dritter der Freizeitpferde sind Risikopatienten, zweidrittel Renn-, Turnier- und Zuchtpferde. Ebenso können auch Fohlen gleichermaßen wie erwachsene Pferde unter Magenproblemen leiden.  

Wie sieht nun so ein Krankheitsbild aus?

Der Magen des Pferdes ist ein sensibles Organ. Bringt man dessen Säurehaushalt durcheinander, kann die Magenschleimhaut gereizt werden. Daraus entstehen Magengeschwüre bzw. Magenulzera. Das sind mehr oder weniger tiefe, teils auch blutende Verletzungen der Magenschleimhaut, hervorgerufen durch einen erhöhten Säureangriff. Im Gegensatz zu einer Geschwulst, also einer Zellwucherung, handelt es sich bei einem Geschwür eben um eine Zellzerstörung.

Daher spricht man auch häufig von Magenschleimhautläsionen. Die Magenschleimhaut sieht dann wie eine Kraterlandschaft aus. Und was man oft gar nicht vermutet, die Verbreitung von Magengeschwüren bei Pferden ist groß. Besonders gefährdet gelten Fohlen, deren Magenschleimhaut noch nicht so stabil ist und dadurch schneller reizbar ist.  

Symptome

Diese sind unspezifisch und können auch nicht bei jedem Pferd beobachtet werden. Typische Anzeichen sind Appetitlosigkeit, chronischer Durchfall oder ein schlechter Allgemeinzustand wie stumpfes Fell, apathisches Verhalten und Abmagerung. Außerdem leiden die Pferde an häufig wiederkehrenden, leichten Koliken insbesondere nach der Kraftfutteraufnahme. Steifer Gang bzw. verhaltene Bewegung insbesondere in der Hinterhand, meist im Trab. 

Leistungsminderung, schlechtes Fressen und aussortieren bestimmter Futterbestandteile. Mundgeruch, Flehmen und Leerkauen. Bei Fohlen ist eins erhöhter, meist schaumiger Speichelfluss typisch. Sowie Koppen können auch auf Magenprobleme hindeuten. 

Grundsätzlich treten nicht alle Symptome gleichzeitig auf. Zudem sie unspezifisch sind und nicht eindeutig auf ein Vorhandensein der Krankheit hindeuten müssen. 

 

Bevor es zu einer Behandlung kommt, sollten deshalb andere Ursachen ausgeschlossen werden. 

 

Außerdem muss auch nicht jedes Pferd, das an einem Magengeschwür leidet, die Symptome anzeigen. 

 

Aus diesem Grund bleiben viele Fälle von Magenschleimhautentzündungen unerkannt. 

Ursachen

Magengeschwüre zu erkennen ist für den Besitzer häufig nicht leicht. Denn nicht jedes Pferd zeigt Symptome. Zudem weisen die Symptome auch nicht eindeutig auf ein Magengeschwür hin. Besonders Fütterungsfehler und Stress führen zu Magengeschwüren. Ausgelöst werden Magengeschwüre ähnlich wie beim Menschen vor allem durch falsche Ernährung und Stress. 

 

Wenn man bedenkt, dass Pferde sogenannte Dauerfresser sind, die sich in der freien Natur bis zu 18 Stunden am Tag mit der Aufnahme von Nahrung in ständiger Bewegung befinden, so ist es nicht verwunderlich, dass Pferde in ihrer heutigen Haltungsform, sei es Offenstall oder Boxenhaltung, öfter an Magenbeschwerden leiden. 

 

Ein Pferdemagen fasst ca. 18 Liter und produziert ständig Magensaft, im Gegensatz zum Mangen des Menschen. Bleibt der Magen zu lange leer, etwas vier Stunden, kann der aggressive Magensaft, bestehend aus Salzsäure und dem eiweißverdauenden Enzym Pepsin, die ungeschützte Magenschleimhaut angreifen. Normalerweise würde hier der Speichel die Schleimhaut schützen, dies kann er aber nur, wenn das Pferd ständig kaut. 

 

Daher sind typische Fütterungsfehlt die Gabe von zu viel Kraftfutter und zu wenig Raufutter, das Füttern des Kraftfutters vor dem Raufutter sowie zu große Pausen zwischen den Futtergaben. Häufig verschuldet der Mensch mit schlechter Fütterung, falschen Haltungsbedingungen und unnötigen Stressfaktoren, dass Pferde an Magengeschwüren erkranken. 

Der Anstieg der Anzahl der Pferde mit Magengeschwüren bei den sogenannten Freizeitpferden (Robustpferderassen usw.) ist wohl damit zu erklären, dass man früher davon ausging, diese Gruppe hätte das Problem nicht. Heute weiß man aber, dass Stress, Stoffwechselerkrankungen, Kräuter (insbesondere Ingwer, Teufelskralle usw.) oder der Herdendruck zum Ende der Weidesaison im Herbst ausreichen, um Magenprobleme auszulösen. 

Im Gegensatz zu uns Menschen produzieren Pferde, wie oben bereits erwähnt, nicht ständig Speichel, sondern eben nur dann, wenn sie kauen und schlucken. Der Speichel beim Pferd spielt aber bei der Pufferung der Magensäure eine wesentliche Rolle. Die heutige Fütterung der Pferde erfolgt nicht selten in konzentrierter Form. 

Wird das Pferd zu langen Fresspausen ausgesetzt, kann dies verheerende Probleme auslösen. Während der Phasen, in denen Pferde nichts fressen, weil sie zu wenig Raufutter haben, produziert der Magen des Pferdes die Magensäure aber trotzdem weiter, was zur Folge hat, dass die schützende Schleimhautschicht und letztlich die Magenwand angegriffen wird. 

 

Untersuchungen haben ergeben, dass insbesondere das richtige Futtermanagement die Übersäuerung und damit die Entstehung von Magengeschwüren reduzieren kann. Auch bei Reisen sollte an ausreichend Raufutter im Hänger gedacht werden.  

 

Fütterungsbedingte Auslöser können sein: schimmliges Futter und Stress. Zu den Ursachen kann unsachgemäße Fütterung zählen. Dazu gehören vor allem schimmeliges Futter, zu hastiges Fressen und zu geringe Einspeichelung des Futters bei zu großer Getreidemenge. Aber auch körperlicher und seelischer Stress, zu wenig Ruhe beim Fressen oder zu geringer zeitlicher Abstand zwischen Arbeit und Fressen können Magenprobleme und im schlimmsten Fall Magengeschwüre auslösen. 

Aus Angst, das Pferd könnte Magenprobleme entwickeln, versuchen sehr viele Pferdebesitzer dem Pferd 24h täglich Heu anzubieten um das Pferd am Kaufvorgang zu halten. Durch den Kauvorgang kann auch das körpereigene Schmerzmittel (Opiophine) in den Magen fließen. 

Bei nicht optimaler Heuqualität ist jedoch die 24 Stunden-Heu-Fütterung gerade eine geniale Basis zur Entwicklung von Magenproblemen, da auch die Menge an etwaigen Schimmelpilzen, Mykotoxinen und Biogenen Aminen (Histamin) ansteigt und den Magen sowie auch die Leber überbeansprucht. 

Zwischen Ursache und Wirkung unterscheiden sollte hinterfragt werden, ob hier nicht mehr Augenmerk auf die wahren Ursachen für die Magenprobleme gerichtet werden sollte. 

 

Beginnende Hufrehe oder Huflederhautentzündung, frühzeitig erkennbar durch fühliges Gehen auf festerem Grund sollte nicht zu Gunsten eines dogmatisch bedingten Verzichts auf den Beschlag verdrängt werden. Die Erfahrung hat gezeigt, dass fast 80% der Freizeitpferde mit Magengeschwüren (trotz ausreichender Heufütterung) über keinen Hufbeschlag verfügen. 

Schmerzen als Auslöser. Pferde sind in der Lage, auch große Schmerzen vor allem im Bewegungsapparat im wahrsten Sinne wortlos lange Zeit hinzunehmen. Die Konsequenz dieses stillen Ertragens kann sich in der Ausbildung von Magengeschwüren spiegeln. Beispiele solcher Auslöser sind meist nicht-diagnostizierte Formen von Huflederhautentzündungen (oft durch missverstandene Hufpflege in Form des Verzichts auf einen Beschlag), Kissing Spines, Spat oder Arthrose. Aber auch schwere Blockaden, Muskelverspannungen und körperliche Übersäuerung können die Ausbildung von Magengeschwüren fördern. Pferde geben, im Gegensatz zu Hunden, keine Schmerzlaute von sich (außer im bittersten Ende), und daher wiegen sich viele Pferdebesitzer in dem Glauben, das Pferd hätte keine Schmerzen. 

Diagnose

Während verschiedene Symptome auf ein Magengeschwür hinweisen, kann eine genaue Diagnose nur durch eine Gastroskopie gestellt werden. Dabei werden Speiseröhre und Magen mit Hilfe eines etwa drei Meter langen, flexiblen Endoskops auf entzündliche, degenerative und organische Veränderungen untersucht. Die Bilder dazu erscheinen am Monitor. 

Damit kein Nahrungsbrei die Sicht verhindert, sollte der Patient etwa 14 Stunden gehungert haben. Der Eingriff findet dann am stehenden, sedierten Pferd statt. 

Im Gegensatz zum Menschen wird das Endoskop über den Nasenraum in den Magen geführt. Durch Einblasen von Luft lassen sich die Magenschleimhautfalten daraufhin besser darstellen. 

Im Regelfall wird eine Gastroskopie stationär in einer Pferdeklinik durchgeführt. Was wiederum bedeutet, das Pferd musste vorher über einen sehr langen Zeitraum hungern, der Transport in die Klinik, der Aufenthalt in der Klinik versetzten das Pferd in zusätzlichen Stress. Und dieser reicht häufig schon aus, um leichte Läsionen an der Schleimhaut auszulösen, dieses sollte bei der Diagnostik berücksichtigt werden. 

Es gibt einige mobile Tierarztpraxen, die über die Möglichkeiten verfügen solche Untersuchungen auch vor Ort am Stall durchzuführen.

 

Nicht immer wird der Tierarzt eine Gastroskopie durchführen, insbesondere dann nicht, wenn Symptome und Umstände mit hoher Wahrscheinlichkeit die sichere Diagnose einer Magenschleimhautreizung beim Pferd zulassen. 

Ein Blutbild alleine gibt keinen unbedingten Hinweis darauf. Leicht gestiegene Entzündungsparameter, Eisenmangel, niedriger Hämoglobinwert oder Blut im Kot können bei entsprechender Symptomatik ggf. ein weiterer Anhaltspunkt für den Verdacht auf ein Magengeschwür beim Pferd sein.

Behandlung

Nur ein einziges, zugelassenes Medikament hilft derzeit in Deutschland gegen Magengeschwüre bei Pferden zur Vorbeugung und Behandlung. Dabei handelt es sich um die Pferdepaste "GastroGard" mit dem Wirkstoff Omeprazol. 

GastroGard reduziert die Ausschüttung von Magensäure in den Magen und wirkt damit der Ursache selbst entgegen. 

Da es als Paste verabreicht wird, kann es der Pferdebesitzer selbst als Therapie fortsetzen. Zudem können die Pferde während der Therapie weiter gearbeitet werden. 

Steht ein Stallwechsel oder ein längerer Transport bevor, kann Omeprazol auch prophylaktisch gegeben werden. 

Magendasseln, die sich in der Magenschleimhaut festsaugen und dort für Löcher sorgen, lassen sich mit Wurmkuren bekämpfen. 

Außerdem gibt es Medikamente wie z.B. Sulcrafat, das einen schleimhautschützenden Schutzfilm auf der Magenschleimhaut bildet. 

Da es sich aber bei Magengeschwüren um einen Ursachenkomplex handelt, sollte im Sinne einer Therapie unbedingt hier angesetzt werden. Das heißt, neben einer medikamentösen Behandlung sollten vor allem die Haltung, Fütterung und das Training auf das Lebewesen Pferd abgestimmt werden. Ansonsten kommt es immer wieder zu Reizungen der Magenschleimhaut. 

Die Art und Weise der Fütterung bei Pferden spielt bei der Entwicklung von Magenproblemen und Magengeschwüren eine entscheidende Rolle. Neben Fehlern im Futtermanagement sind aber auch Stress, Krankheit, Medikation und psychische Probleme mögliche Auslöser. 

Moderne Sport- und Freizeitpferde benötigen eine andere, energiereichere Fütterung als ihre Vorfahren. Heu alleine reicht nicht immer aus, um die nötigen Nährstoffe und die Energie für Leistung zu liefern. Infolgedessen ist das Futter oft aufbereitet und konzentriert, reich an Getreide und Zucker und wird nach Zeitplan gefüttert. Die Anatomie des Verdauungssystems zu verstehen hilft Pferdehaltern, effektiver zu füttern, das Risiko von Darmproblemen zu reduzieren und das Pferd leistungsfähiger zu machen. 

 

Die Hauptaufgabe des Verdauungstrakts ist es, Futter aufzunehmen und zu verdauen. Nährstoffe zu absorbieren und Abfallstoffe mit dem Kot auszuscheiden. Mit einem einfachen Magen und einem großen Dickdarm kann das Pferd sowohl Kraftfutter als auch, ähnlich wie Wiederkäuer, Zellulose verdauen. Die Nahrung wird durch mechanische, chemische, enzymatische und mikrobielle Prozesse verdaut und in Energie umgewandelt. 

Auch die Fütterung von stärkereichem Getreide wie Gerste, Mais, Weizen oder Dinkel (auch in Form von Müsli) sollten einem Magenkranken Pferd nicht verabreicht werden. Hier sollte eine Mashfütterung vorgezogen werden. Pektin- und Rohfaser. 

Ideal sind gekochter Leinsamen sowie Hafer. Aber auch hier gilt, nicht im Übermaß und von guter Qualität. 

Die Fütterung von nicht kontaminiertem Heu und frischem Gras ist relativ problemlos für den Magen. Durch die von Natur aus hohe Belastung mit Histamin ist von Silage dringend abzuraten (biogene Amine können den Magen reizen, Sodbrennen auslösen und zu Leberproblemen führen).

Grundsätzlich sollte einem Magenkranken Pferd kein Müsli verabreicht werden. Zusätze wie Aromastoffe und Konservierungsmittel unterstützen den Heilungsprozess nicht. Denn jegliche Belastung der Leber heizt auch die Magenprobleme an. In sehr vielen Fällen hat eine überstrapazierte Leber die Magenprobleme erst im Schlepptau. Bittere Kräuter tun nicht nur der Leber, sondern auch dem Magen gut.

Auch Menschen, die an Magenproblemen leiden bedienen sich der sogenannten Magenbitter.

Die Fütterung von Hafer sollte immer allen anderen Getreidesorten vorgezogen werden, da Hafer von Natur aus schleimbildend und schleimhautpflegend wirkt. Allerdings muss der Hafer von hoher Qualität und frei von Schimmelpilzbelastung sein. Wirklich ausgesprochen gut tun dem Magen ausgewählte Kräutermischungen, die im Akutfall als Tee angeboten werden können. 

Ebenso sollte auf eine längerfristige Gabe von Schwefelverbindungen (MSM Dimethylsulfon) verzichtet werden. Auch Luzernen sind nicht geeignet für Pferde mit Magenproblemen da sie Salicylsäure, den Wirkstoff eines bekannten Schmerzmittels und Entzündungshemmers enthalten. Salicylsäure wirkt auf die Schleimhäute akut reizend bis gewebeschädigend. 

Betroffene Pferde leiden häufig unter Nährstoffmängel im Bereich Magnesium, Mangan und Selen. Diese Nährstoffmängel entstehen bei einer unangepassten Mineralstoffzufuhr, bei grundlegenden Nährstoffdefiziten oder wenn der Nährstoffverbrauch den Nährstoffbedarf überschreitet, wie zum Beispiel bei Hochleistungspferden und körperlich sehr beanspruchten Pferden. 

Spasmen im Bereich des Magenausgangs können zu einer Störung des Abtransports des angedauten Speisebreis und damit zu schmerzhaften Magengärungen führen. 

 

Grundsätzlich hat sich die traditionelle Fütterung von Mash aus Leinsamen, Weizenkleie und Hafer, Salz und Kräutern seit hunderten von Jahren bewährt, um es noch einmal zu erwähnen!

 

Auf eine gute und langfristige Gesundheit für Eure Pferde